Nicht nur bei der Farbwahl war Frank in den 50ern oder 60ern hängen geblieben. Das Schärfste an ihm waren die tollen Halbarmhemden aus dieser Zeit, von denen er ungefähr 150 zu besitzen schien. An diesem frühen Morgen wurde ich mit Flanell in unterschiedlichen Brauntönen, durch Längsstreifen tauschend, begrüßt. Der künstliche Nachtigallgesang aus dem Bewegungsmelder über der Tür dröhnte schrill aus dem kleinen Lautsprecher des Geräts, meine Ohren taten mir weh. Ich schritt vor und zurück, sodass sich das Geräusch vier- oder fünfmal wiederholte: Frank blieb regungslos auf seinem Stuhl. Ich trat mit meinen Leinenturnschuhen so fest auf das Linoleum wie ich konnte. An der Theke angekommen sprach ich Frank laut an, ohne Ergebnis. Ich berührte ihn mit der Hand an seinem Unterarm. Das kleine Radio auf seinem Tisch sprang in diesem Moment an und dudelte vor sich hin, ich schaute verwundert in die Richtung des Geräuschs, als plötzlich eine Hand nach meinem Unterarm griff. Frank hatte seine Augen weit aufgerissen, während er ein pfeifendes Röcheln von sich gab und mit der freien Hand sein Herz hielt. »Du bissu früh sum Kaffee, M… Mädchen.« Ich brauchte eine Weile, aber ungefähr nach zehn Sekunden hatte ich mich von dem Schock erholt. Während ich mich auf Rache einschwor, lehnte Frank immer noch mit dem Hinterkopf an der Säule und lachte sein heiseres, leises Lachen. Die Haut seiner eingefallenen Wangen vibrierte wie ein Basslautsprecher. Wie gewöhnlich, wenn er großen Spaß hatte, spielte er mit der Zunge an seinen drei verbliebenen Zähnen herum. Er schlich mit einer langsamen Handbewegung durch seine hellgraue, pomadenglänzende Jungsfrisur und rastete anschließend in seine übliche Haltung ein. Jahrzehntelang geschulte Bewegungsabläufe, die er gleichgeschaltet in einer gespenstischen Zeitlupe ausführte. Es hätte brennen können und er wäre bei dieser Geschwindigkeit verblieben. Er fuhr mit seinem Kopf nach vorne, schlug sein schlaksiges Bein über und zauberte seine riesige, knochige Hand samt Unterarm hervor.