Mir kamen mal wieder Zweifel an meiner Strategie. War meine Mutter doch auf dem richtigen Weg? Ich grübelte wieder rum, das nervte mich, ich wollte doch entschieden vorgehen und Entschlossenheit ausstrahlen. Ich knöpfte mit grimmigem Blick meinen Trenchcoat zu, drückte das Kreuz durch und schob eine Hand zwischen die Knöpfe, um Napoleon nachzuahmen. Dann drehte ich mich um und entdeckte, dass der Hund auf Nahrungssuche Googol komplett verspeist hatte. Ich lachte und verpasste ihm eine ausführliche Streicheleinheit für seine Heldentat. Ohne festgelegte Reihenfolge fühlten sich meine Pflichten gleich viel besser an. Also holte ich den Ordner mit den Zusagen der Interessenten und begann mit der Planung der Stellplätze für die nächste Veranstaltung.
Irgendwann nach ein paar Stunden kam mir in den Sinn, dass ich noch keinen Termin mit Anna vereinbart hatte, um dieses komische Musikinstrument abzuholen. Ich wählte die Nummer auf der Visitenkarte und erreichte sie sofort. Anna schlug vor, dass es ihr um vier Uhr in der Frühe am besten passen würde. Das war wirklich eine absurde Uhrzeit, passte aber sehr gut mit meinem Frühdienst zusammen. Sie erklärte mir, wo ihr Freund Krishna wohnte. Ich kannte das Reichenviertel, das sie mir beschrieb, in- und auswendig. Nicht gerade meine Lieblingsgegend, doch selbst wenn diese Frau als Treffpunkt den Gipfel eines aktiven Vulkans gewählt hätte: Ich wäre ohne eine Rückfrage darauf eingegangen.
Ich bastelte noch ungefähr bis Mitternacht an dem Stellplatzplan herum. Darauf wollte ich mich hinlegen, ich war jedoch viel zu aufgewühlt. Ich brauchte eigentlich dringend Schlaf, weil ich in Kürze zum Frühdienst musste. Ich versuchte mich ein bisschen durch Lesen runterzubringen, aber die nervöse Betriebsamkeit Napoleons stellte eher keine Hilfe dar. Schliesslich klingelte mein Telefon, ich nahm sofort ab, weil ich meine Mutter erwartete. Sie hatte bis zu diesem Zeitpunkt noch nichts von sich hören lassen, das Telefon im Büro hatte kein einziges Mal geklingelt.