Sie drehte ihren Kopf seitlich und holte eine kleine Handtasche hervor. Ich nutzte die Zeit und öffnete das Tor, dessen Streben immer so eine unbehagliche Stimmung erzeugten. Ich betrachtete ihre beeindruckenden, leicht krausen Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden waren. Ein paar rötlich-blonde Strähnen standen abseits und leuchteten in der Sonne wie Lametta. Anna besaß eine natürliche Schönheit, die mich sofort gefangen nahm. Sie war ungeschminkt, ihr Gesicht war voller Sommersprossen. Sie zog ein Lichtbild aus ihrer Tasche und gab es mir in die Hand. Auf dem Bild war ein hagerer, etwas schief stehender, älterer Mann zu sehen, der mit einem schwarzen Regenmantel bekleidet war. Er hatte ein verschmitztes, kindliches Lachen auf seinen Zügen. Sein schlohweißes Haar wehte im Wind, im Hintergrund war ein Strand zu sehen.
»Das ist mein Vater, Tracy, Vitali Primov … ich vermisse ihn erst seit Kurzem. Er ist dement und inzwischen völlig orientierungslos. Ich habe ihn gestern Abend nach einer Gala in Los Angeles im Straßengeschehen aus den Augen verloren und glaube, dass er in einen Bus eingestiegen ist, er war auf einmal spurlos verschwunden. Hier vorne ist die drittletzte Haltestelle dieser Linie in die eine Richtung, ich wollte fragen, ob ihn vielleicht jemand hier gesehen hat?«
Ich nahm das Bild genau in Augenschein.
»Also, dieser Mann hier … es tut mir leid, Anna. Nein. Ich habe ihn noch nie gesehen, ich bin mir ziemlich sicher.«
Ich gab das Foto zurück und verfolgte ihre traurigen Augen. Sie blickte hinter sich auf das Dach des Supermarkts auf der anderen Straßenseite, bevor sie mit dem Blick zu mir zurückkehrte.
»Schade … aber vielen Dank. Dann werde ich wohl nochmal drüben fragen.«
»Der Supermarkt ist seit einiger Zeit geschlossen, aber die Tankstelle auf dem Gelände hat noch geöffnet. Ich kenne den Besitzer sehr gut, wir trinken fast jeden Morgen einen Kaffee zusammen. Er hätte mir das erzählt, wenn da unten etwas Außergewöhnliches passiert wäre, ebenso meine Eltern …«