Als ich schließlich näher kam, sah ich eine Papierstaude, die auf dem Boden dieser Vitrine ausgelegt war. Vor mir lag ein japanischer Holzdruck. Eine Landschaft war darauf zu erkennen. Nicht das Motiv interessierte mich, sondern eher, wie das Papier beschaffen war. Das Bild war ohnehin kaum zu erkennen, die Farben wirkten fremdartig und blass, was wohl mit dem Alter zu tun hatte. Ich nahm auf einem der Stühle Platz und sah auf die gegenüberliegende Glasverkleidung. Weil es draußen noch dunkel war, konnte ich mein Gesicht gut in der Spiegelung des Glases erkennen. Ich schloss die Augen und stellte mir den Kunstband mit meinem Lieblingsbild vor, Die große Woge von Katsushika Hokusai. Ich betrachtete dieses Bild manchmal stundenlang, ohne genau zu wissen, was mich daran faszinierte. Dabei spielte ich mit den Blicken zwischen der riesigen Welle und den Insassen der Boote, die auf dem Holzdruck dargestellt waren, hin und her. Die in den Booten kauernden Menschen wirkten so gelassen angesichts der großen Gefahr. Ich wollte aufstehen, aber ich hörte, dass Anna noch telefonierte. Meine Aufmerksamkeit war plötzlich weg, ich versuchte mich auf Annas Stimme zu konzentrieren, doch sie schien unendlich weit entfernt. Ich sog die Luft ein, es roch nach Salzwasser. Ich lag auf dem Rücken und betrachtete einen grauen Himmel, aus dem mir immer wieder einige Schneeflocken ins Gesicht wehten. Ich richtete mich auf und betrachtete meine Kleidung. Um mich herum saßen Männer in dem Boot, die ebenso gekleidet waren wie ich. Sie nahmen keine weitere Notiz von mir. Ich blickte umher und entdeckte den schneebedeckten Berg Fuji in der Ferne. Noch zwei weitere Boote, die dem unseren sehr ähnlich waren, befanden sich in unserer unmittelbaren Nähe. Auch die Insassen glichen uns, es wirkte auf mich, als ob ich in einen Spiegel blicken würde.