02/92

Der Ritter
der unendlichen Leere
bedroht Tracy Train

Mein Telefon. Ich versuchte das Geräusch zu orten, ich vermutete das Ding unter den Steinen des Meeresgrundes. Panisch begann ich, Steine und Platten anzuheben, das eingeschwärzte Wasser jedoch ließ mich nicht mehr die Hand vor den Augen erkennen. Meine Ungeduld verwandelte sich in eine Raserei. Ich begann einen lauten Schrei unter Wasser auszustoßen, der jedoch eher wie ein Schrei unter meiner Bettdecke klang, wie mir dann schließlich auffiel. Ich stieß mit dem Kopf gegen die Seitenwand meines Wohnwagens und zog die Decke beiseite, während meine eigenen Stimme durch den Lautsprecher des Anrufbeantworters plärrte. »Hier ist das Organisationsbüro des analogen Audiokosmos. Wir bieten auf unserem Grundstück Stellplätze für den An- und Verkauf von gebrauchter analoger Technik sowie Tonträgern bei Livemusik, Kuchen und Kaffeespezialitäten, immer am ersten Samstag des Monats. Falls Sie einen Stellplatz für die nächste Veranstaltung buchen wollen, hinterlassen Sie bitte ihren Namen und eine Rufnummer.« Nach dem Piepton spitzte ich die Ohren, konnte jedoch nur ein Rauschen hören. Danach gab das Ding einen weiteren Signalton von sich, der Nachrichtenspeicher war voll. Ich öffnete kurz die Augen und warf einen Blick in das Chaos meines Wohnwagens. Hektisch vergrub ich meinen Kopf unter dem Kopfkissen. Die nächste Veranstaltung stand kurz bevor und ich hätte mir keine Sorgen gemacht, wenn ich zumindest ansatzweise mit den Vorbereitungen losgelegt hätte. Das Einzige, was ich zustande gebracht hatte, waren die Vorverhandlungen mit drei Bands. Vom Bühnenaufbau und der komplizierten Stellplatzverteilung, bei der die Vorstellungen der Stammgäste berücksichtigt werden mussten, war ich noch weit entfernt. Ich drehte mich auf den Rücken auf der Suche nach einer schmerzfreien Position, das machte aber alles noch schlimmer. Warum hatte ich Frank beim Streichen seiner Tankstelle geholfen? Warum fiel mir erst jetzt ein, dass ich sonstwen dafür hätte einspannen können? Ich konnte mir keinen Reim drauf machen, ich verstand mich einfach nicht momentan. Ich öffnete die Augen und schaute an die Decke meines Wohnwagens. Dort hing ein Erinnerungszettel, den ich in eine Leiste gesteckt hatte.

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